Archäologen entdecken 400 Jahre alten Brief – Beweis für die Existenz eines sagenumwobenen Königs

In den Ruinen der antiken Stadt Old Dongola im Norden des Sudan haben Archäologinnen und Archäologen einen überraschenden Fund gemacht. In einer Schicht lagen über 20 Papierfetzen aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, die neue Informationen zur weitgehend unbekannten Figur des nubischen Königs Qashqash liefern. Der Fund bringt nicht nur frische historische Details, sondern wirft auch neues Licht auf Gesellschaftsstrukturen und Herrschaftspraxis in der Region.
Fundort und historischer Hintergrund
Old Dongola war einst die Hauptstadt des christlichen Königreichs Makuria in Nubien. Gefunden wurden die Dokumente im „Haus des Mekk“, Gebäude A.1, nahe dem Ostufer des Nils. Das Gebäude gehörte zur Zitadelle und deutet auf Besitz durch eine führende Person hin. Insgesamt wurden ca. 24 Papierschnipsel geborgen, darunter mehr als 20 Briefe, Notizen und Rechtsdokumente. Eines der bedeutsamsten Stücke ist ein königlicher Erlass, der im Namen von König Qashqash erlassen wurde.
Der Erlass: was genau drinsteht
Der zentrale Erlass stammt von König Qashqash und wurde von Hamad, der Schreiber, verfasst. Er richtet sich an Khidr und regelt den Tausch eines Mutterschafs gegen Textilien. Konkret sollen drei Textileinheiten von Muhammad al-Arab entgegengenommen werden, während das Schaf von Abd al-Jabir beschafft werden sollte. Das Dokument ist auf Arabisch geschrieben und zeigt, wie der König im Alltag seine Befehle durchsetzte und kleinere Verwaltungsfragen regelte.
Die Rückseite ist beschädigt und schwer lesbar; Expertinnen und Experten vermuten dort Hinweise auf Baumwolle oder Kopfbedeckungen. Ein Datum fehlt zwar, doch durch benachbarte Münzen und Radiokarbondatierung organischer Materialien wurde das Schriftstück in das späte 16. bis frühe 17. Jahrhundert eingeordnet.
Was das über Gesellschaft und Kultur verrät
Die Funde liefern nicht nur Verwaltungsdetails, sondern auch Einblicke in soziale Beziehungen und die Arabisierung in Dongola während der Funj-Periode. Die Autorinnen und Autoren der Studie schreiben: „Die in Old Dongola entdeckten dokumentarischen Quellen, einschließlich des königlichen Erlasses, liefern unschätzbare Einblicke in das Netzwerk von Verbindungen in Dongola vor der kolonialen Epoche.“
Neben den Papierresten tauchten auch Luxusgegenstände wie Textilien, Schmuck und Lederschuhe sowie Waffen- und Jagdausrüstung auf. Diese Artefakte dienen als Grundlage, um kulturelle Kontakte und sprachliche Veränderungen in Nubien über die Jahrhunderte hinweg zu untersuchen.
Offene Fragen und nächste Schritte
Einige Details bleiben unklar: Die Rolle von Khidr ist nicht genau bekannt, und unklar ist auch, ob der Dolchgriff aus Elfenbein oder Nashornhorn gefertigt wurde. Die Datierung stützt sich auf eine Kombination numismatischer Analysen und Radiokarbonmethoden. Weitere Untersuchungen könnten mehr über die Herrschaft und den Einfluss von König Qashqash zutage bringen.
Der Fund in Old Dongola, publiziert in der Zeitschrift Azania: Archaeological Research in Africa, verändert unser Bild von einer Region und Epoche, die bisher vor allem durch verstreute Erwähnungen und mündliche Überlieferungen bekannt war. Er lädt Historikerinnen, Historiker und Archäologinnen sowie Archäologen dazu ein, die Geschichte dieses geschichtsträchtigen Landes weiter aufzurollen.