Forscher dokumentieren Walgeburt, während andere Wale gemeinsam bei der Geburt assistieren

Spektakuläre Geburt vor Dominicas Küste: Pottwal auf Film
Spektakuläre Geburt vor Dominicas Küste: Pottwal auf Film

Der Meeresforschung ist kürzlich beeindruckendes Filmmaterial gelungen: Die Geburt eines Pottwals (wissenschaftlich Spermawal genannt) wurde außergewöhnlich dokumentiert. Die Beobachtung liefert neue Einblicke in das Sozialverhalten und die Kommunikationsfähigkeiten dieser Tiere.

Vor Ort: Geburt und die ersten Atemzüge

Am 8. Juli 2023 erlebten Forschende an der Küste der Karibikinsel Dominica eine spektakuläre Szene. Ein Pottwal-Pod von 11 Walen (eine Gruppe von Walen) traf sich, darunter das 19-jährige Weibchen Rounder, das sein zweites Kalb zur Welt brachte. Die Geburt dauerte 34 Minuten, von der ersten Sichtung des Schwanzes bis zur vollständigen Geburt des Kalbes.

Ein neugeborenes Pottwalkalb ist etwa 4 Meter lang und sinkt nach der Geburt zunächst, bevor es schwimmen lernt. Innerhalb weniger Stunden zeigen die Jungen jedoch schon beachtliche Schwimmfähigkeiten.

Besonders auffällig war die Hilfe der anderen erwachsenen Weibchen im Pod. Sie tauchten unter Rounders Rückenflosse und schoben das Neugeborene mit Körpern und Köpfen an die Wasseroberfläche, damit es die ersten Atemzüge nehmen konnte. Solche Handlungen können eine Form von Geburtsunterstützung sein, um das Kalb vor dem Ertrinken zu bewahren.

Evolution und soziale Strukturen

Bei Cetaceen (zu denen Wale, Delfine und Schweinswale gehören) werden Neugeborene normalerweise Schwanz zuerst geboren: eine Anpassung, die das Ertrinken vermeiden hilft. Cetaceen kehrten vor mehr als 36 Millionen Jahren ins Wasser zurück und entwickelten dabei komplexe soziale Strukturen.

Die Dokumentation dieser Geburt liefert den ersten Nachweis von Geburtsassistenz bei Nicht-Primaten. Laut Shane Gero, einem Mitglied des Project Ceti, handelt es sich um eine bedeutende Entdeckung: “Dies ist der erste Beleg für Geburtsassistenz bei Nicht-Primaten.”

Unterstützung kommt nicht nur von den Müttern selbst. Auch nicht verwandte erwachsene Weibchen leisten wichtige Hilfe bei Betreuung und Schutz der Jungtiere, etwa wenn die Mutter Futter sucht.

Kommunikation: Was die Forschenden beobachteten

Während der Beobachtungen vom Boot aus sowie mit Drohnen und Unterwasseraufnahmen wurden auffällige Lautäußerungen registriert. Diese zeigten deutliche Veränderungen während der Geburt und als eine Gruppe von Pilotwalen näherte. Forschende des Project Ceti vermuten, dass die veränderten Vokalisationen koordinierte Aktionen belegen könnten, die der Geburtsunterstützung oder dem Schutz des Neugeborenen dienen.

Die gesammelten Daten wurden in den Fachzeitschriften Scientific Reports und Science veröffentlicht.

Warum diese Entdeckung wichtig ist

Die Dokumentation liefert nicht nur neue Einsichten in die Kommunikationsstrukturen und sozialen Unterstützungsmechanismen von Pottwalen, sondern zeigt auch die evolutionäre Anpassungsfähigkeit der Cetaceen. Das Überleben des Neugeborenen und seine spätere Sichtung mit den jungen Pod-Mitgliedern Accra und Aurora wird als positives Zeichen für sein zukünftiges Wohlergehen gewertet.

Die Ergebnisse laden dazu ein, die soziale und kommunikative Intelligenz von Meeressäugern weiter zu erforschen und wertzuschätzen. Je tiefer wir in das Leben dieser faszinierenden Tiere eintauchen, desto besser lassen sich ihr Verhalten und die Vielfalt des Lebens in den Ozeanen verstehen.