Japan genehmigt weltweit erste Therapien mit umprogrammierten menschlichen Zellen

Japan erlaubt zwei neuartige regenerative Medizinprodukte
Japan erlaubt zwei neuartige regenerative Medizinprodukte

Am 6. März hat das japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales eine bedingte und zeitlich begrenzte Zulassung für zwei innovative regenerative Medizinprodukte erteilt. Die Produkte basieren auf induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS‑Zellen) und stellen einen wichtigen Schritt bei der praktischen Nutzung dieser Technologie dar. Exakt 20 Jahre nach den ersten Veröffentlichungen zu Maus‑iPS‑Zellen aus dem Jahr 2006 wird damit nun die erste praktische Anwendung von iPS‑abgeleiteten Produkten vorgestellt, ein Ereignis von globaler Bedeutung.

Wie iPS‑Zellen funktionieren

Induzierte pluripotente Stammzellen, kurz iPS‑Zellen, verändern die regenerative Medizin grundlegend. Sie entstehen aus erwachsenen Zellen wie Haut- oder Blutzellen und werden so „umprogrammiert“, dass sie sich ähnlich wie embryonale Stammzellen verhalten. iPS‑Zellen können sich unbegrenzt teilen und in nahezu jede Zellart differenzieren, was ihre Einsatzmöglichkeiten in der Medizin stark erweitert. Ein weiterer Vorteil: der Einsatz von iPS‑Zellen vermeidet die ethischen Fragen, die bei klassischen embryonalen Stammzellen oft gestellt werden.

ReHeart: Hoffnung bei schwerer Herzinsuffizienz

Das erste Produkt, ReHeart (entwickelt von Qualipse), richtet sich an Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz, die trotz Standardbehandlungen wie medikamentöser Therapie noch erhebliche Beschwerden haben. ReHeart besteht aus einer Schicht von Kardiomyozyten, die aus iPS‑Zellen gesunder Spender differenziert wurden, und wird bei einer offenen Operation am linken Thorax des Patienten angebracht. Die Therapie soll durch Zytokine der transplantierten Zellen die Angiogenese fördern, ischämische Bereiche reparieren und das Myokard verbessern.

Klinische Studien an acht Patienten zeigten, dass bei vier dieser Patienten eine Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2 max) beobachtet wurde, bei diesen Betroffenen stieg die VO2 max um mehr als 10 % nach 52 Wochen. Eine umfassendere Studie mit 75 Patienten ist später geplant. Der Verkaufsstart von ReHeart ist für den Herbst 2026 vorgesehen.

Amusepri: ein Schritt vorwärts bei Parkinson

Das zweite zugelassene Produkt, Amusepri (auch AmShepli genannt), wird von Sumitomo Pharma und RACTHERA hergestellt. Es zielt darauf ab, die motorischen Symptome bei Parkinson‑Patienten zu verbessern, die nicht ausreichend auf vorhandene Medikamente ansprechen. Dazu werden dopaminerge Vorläuferzellen direkt ins Gehirn transplantiert, mittels stereotaktischer Gehirnoperation (präzise, bildgestützte Operation), um den Verlust dopaminerger Nervenzellen bei Parkinson auszugleichen.

An Studien am Universitätsklinikum Kyoto zeigten vier der sieben analysierten Patienten eine deutliche Besserung ihrer Symptome 24 Monate nach der Transplantation. Außerdem konnte die Zellvitalität in sechs Fällen bestätigt werden.

Herstellung und Zusammenarbeit

Die SMaRT‑Einrichtung in der Stadt Suita, Präfektur Osaka, ist die weltweit erste kommerzielle Produktionsstätte, die sich auf regenerative Medizin spezialisiert hat. Die für die Herstellung verwendeten iPS‑Zellen stammen aus dem Bestand der iPS Cell Research Foundation der Universität Kyoto. Durch enge Kooperationen zwischen Industrie und Wissenschaft sowie die Unterstützung großer Pharmaunternehmen hat Japan weltweit eine Vorreiterrolle in der regenerativen Medizin eingenommen.

Ausblick: Wie es weitergehen könnte

Der Zulassungsweg in Japan zeigt, dass das Land offen dafür ist, neue medizinische Therapien frühzeitig zu genehmigen, gerade in Bereichen, in denen groß angelegte klinische Studien schwierig zu realisieren sind. Langfristige Forschungsförderung und eine gezielte Wissenschaftspolitik haben ebenfalls zur Entwicklung dieser Innovationen beigetragen.

Aktuell wird die Verfügbarkeit der Produkte noch begrenzt sein, weil das Verfahren zur Erstattung durch die Krankenversicherung noch nicht abgeschlossen ist. Die offizielle Registrierung als erstattete Behandlung dauert drei Monate für Arzneimittel und vier bis fünf Monate für medizinische Materialien.

Das sind wichtige Schritte in der Geschichte der regenerativen Medizin. Wie Shinya Yamanaka, Direktor emeritus des Instituts für iPS‑Zellforschung der Universität Kyoto, betont, müssen diese Produkte mit wissenschaftlicher Vorsicht und sorgfältiger Forschung weiterentwickelt werden. Das heißt: Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, die künftig viele neue Möglichkeiten in der Medizin eröffnen kann.