Kohlmeisen entdecken, dass Zigarettenkippen im Nestbau helfen, Parasiten fernzuhalten

Zigarettenstummel schützen Stadtvögel? Ein überraschender Trick
Zigarettenstummel schützen Stadtvögel? Ein überraschender Trick

Zigarettenstummel sind nicht nur überall auf Straßen und Gehwegen ein Ärgernis, sie können auch eine Gefahr für Tiere sein, die in Städten leben. Interessanterweise könnten diese kleinen Abfälle bei näherer Betrachtung aber auch eine nützliche Rolle für Stadtvögel spielen. Eine neue Studie legt nahe, dass Vögel wie die Blaumeise Zigarettenstummel nutzen, um sich gegen Parasiten zu wehren, ähnlich wie sie in der Natur aromatische Pflanzen einsetzen.

Wie die Blaumeise in der Stadt klarkommt

Die Blaumeise (Cyanistes caeruleus) ist ein farbenfroher, geselliger Singvogel, der sich gut an das Stadtleben angepasst hat. Ihr Hauptfutter sind Insekten, darunter auch schädliche Arten wie Mücken. In freier Natur sammeln Blaumeisen oft aromatische Pflanzen wie Lavendel; die Duftstoffe dieser Pflanzen helfen, blutsaugende Parasiten fernzuhalten. In Städten könnte sich diese Strategie überraschend verändern: Statt Lavendel finden die Vögel manchmal Zigarettenstummel als Ersatz.

Die Studie aus Łódź: so lief das Experiment

Ein Forscherteam der Universität von Łódź in Polen hat eine Studie durchgeführt, die in der Fachzeitschrift Animal Behaviour veröffentlicht wurde. Die zentrale Frage war, ob das Sammeln von Zigarettenstummeln durch Blaumeisen zufällig ist oder eine gezielte Strategie zur Parasitenabwehr darstellt. Dazu überwachten die Forschenden 33 Blaumeisenfamilien und teilten die Nester in drei Gruppen ein. Eine Kontrollgruppe blieb unverändert, zu den Nestern der zweiten Gruppe wurden Zigarettenstummel hinzugefügt, und die dritte Gruppe bekam neue, aus Moos und Baumwolle gefertigte und im Labor sterilisierte Nester.

Nach 13 Tagen untersuchten die Forschenden die Nestlinge. Sie nahmen Blutproben, um den Gesundheitszustand zu prüfen, und suchten nach Anzeichen von Krankheiten.

Was die Ergebnisse zeigen

Die Resultate waren deutlich: Nestlinge aus den Nestern mit Zigarettenstummeln und aus den sterilisierten Nestern wiesen höhere Werte von Hämoglobin und Hämatokrit auf, beides Indikatoren für einen guten Gesundheitszustand. Das spricht dafür, dass die Parasitenbelastung geringer war im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die natürlichen Kontrollnester enthielten mehr Parasiten wie Milben, Zecken und Flöhe, während die Nester mit Zigarettenstummeln weniger Larven der schädlichen Fleischfliege aufwiesen.

Dass in den Zigarettenstummeln Nikotin steckt, könnte eine abschreckende Wirkung auf Parasiten haben. Gleichzeitig sind Zigarettenstummel aber auch mit anderen toxischen Stoffen wie Arsen und Schwermetallen belastet; deren langfristige Folgen für adulte Vögel sind noch nicht geklärt.

Was die Forscher aus Łódź dazu sagen

Die Forschenden fassen ihre Ergebnisse so zusammen: „unsere Studie darauf hindeutet, dass Zigarettenstummel von städtischen Blaumeisen als opportunistische adaptive Strategie genutzt werden könnten, indem sie die Funktion aromatischer Pflanzen bei der Parasitenkontrolle nachahmen und potenziell positiv zum Wohlbefinden der Nestlinge beitragen.“ Trotz dieser Hinweise bleibt die langfristige Wirkung der giftigen Substanzen aus Zigarettenstummeln auf die Vögel unklar, vor allem was erwachsene Tiere betrifft.

Das Ergebnis eröffnet neue Perspektiven darauf, wie Tiere sich an menschliche Verhaltensweisen anpassen und welche unbeabsichtigten Folgen das haben kann. Es liefert Einblicke in das bemerkenswerte Verhalten der Blaumeise und wirft Fragen zu unserer Rolle als Mitgestalter urbaner Ökosysteme auf. Die weitere Diskussion könnte dazu führen, dass wir unser Handeln in der Stadt überdenken und Maßnahmen erwägen, die sowohl Tieren als auch Menschen zugutekommen.