Die chinesische Familie, die ein 15-stöckiges Wohnhaus für ihre Angehörigen errichtete: „Ihr Ziel war es, eigene unabhängige Wohnungen zu schaffen“

Die chinesische Familie, die einen 15‑stöckigen Turm nur für ihre Angehörigen gebaut hat
Die chinesische Familie, die einen 15‑stöckigen Turm nur für ihre Angehörigen gebaut hat

Als Reaktion auf steigenden Urbanisierungsdruck und hohe Wohnkosten hat die Familie Zhu im Dorf Zhuyuan, China, ein 15‑stöckiges Gebäude errichtet, das ausschließlich für Familienmitglieder gedacht ist. Das auffällige Bauwerk in einer eher ländlichen Gegend steht für eine unkonventionelle Lösung bei knapperem Wohnraum und dem Wunsch nach Nähe innerhalb der Familie, ohne dass jede:r auf Privatsphäre verzichten muss.

Mehr als 100 Verwandte leben jetzt zusammen in 22 vollständig ausgestatteten Wohnungen. Das ist nicht nur eine logistische Leistung, sondern auch Ausdruck des Bestrebens der Familie, zusammenzubleiben und gleichzeitig modernen Ansprüchen gerecht zu werden.

So ist der Familien‑Turm aufgebaut

Das Projekt wurde durch die Bündelung von Mitteln aus circa 20 verwandten Haushalten finanziert. Insgesamt hat das Gebäude 15 Stockwerke; die Etagen zwei bis zwölf sind als Wohnungen ausgelegt.

Das Erdgeschoss war ursprünglich als Laden geplant, wird heute aber zur Lagerung von Lebensmitteln und als Spielbereich für Kinder genutzt. Daneben gibt es komfortable Gemeinschaftsräume, Aufzüge, Tiefgaragen und unterirdische Parkplätze: all das für ein bewusst nachhaltig angelegtes Zusammenleben. Während Feiertagen wird das Haus besonders lebhaft, wenn Verwandte aus weiter entfernten Städten zurückkehren, um Zeit miteinander zu verbringen.

Der Entschluss, vertikal statt in Einzelhäusern zu bauen, hatte praktische Gründe: alte, beengte Wohnverhältnisse sollten vermieden werden, und zugleich sollte für die jüngeren Generationen, die häufig in anderen Städten arbeiten, ein Ort der Rückkehr bestehen. Zusätzlich spielte die effiziente Nutzung von Land und die Aussicht auf geringeren Bauaufwand in der Zukunft eine Rolle. So können ältere Erwachsene, Kinder und Berufspendler in einer Gemeinschaft leben, ohne das Gefühl zu bekommen, in einem traditionellen, großen Einfamilienhaus eingeengt zu sein.

Klimafragen und Vorteile

Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und dem IPCC (Weltklimarat) trägt das Bauwesen erheblich zum globalen Energieverbrauch und zu den CO2‑Emissionen bei: Gebäude und Baustellen machen nach UNEP jeweils 32 % bzw. 34 % aus. Materialien wie Zement und Stahl sind besonders emissionsintensiv, und der Bau des Turms selbst hat daher einen beträchtlichen CO2‑Fußabdruck.

Gleichzeitig können kompakte, vertikal angelegte Wohnformen langfristig den Energieverbrauch senken. Das IPCC stellt fest, dass dichte, fußgängerfreundliche Stadtstrukturen mit niedrigeren Pro‑Kopf‑Emissionen verbunden sind. Nach Prognosen des IPCC könnte eine solche städtische Entwicklung den städtischen Energieverbrauch bis 2050 um 20, 25 % reduzieren.

Im Turm helfen geteilte Wände, Wärme‑ und Kälteverluste zu verringern, was den langfristigen Energiebedarf senkt. Solche Einsparungen sind wirtschaftlich sinnvoll und tragen zur Umweltfreundlichkeit des Wohnkonzepts bei.

Herausforderungen und gesellschaftliche Aspekte

Trotz der Vorteile gibt es auch Bedenken: Der hohe anfängliche CO2‑Ausstoß beim Bau verlangt, dass solche Gebäude über Jahrzehnte genutzt werden, damit die ökologischen Vorteile wirklich greifen. Vertikalität allein reicht nicht aus; die Nutzung dieser Flächen muss durch Begrünung und hochwertige Services ergänzt werden, damit das volle Potenzial ausgeschöpft wird.

Als Modell ist diese Wohnform sozial interessant: Sie zeigt, wie traditionelle familiäre Bindungen in einer modernen, sich verändernden Welt erhalten bleiben können. Besonders in alternden Gesellschaften kann das helfen, drohenden Wohnungsengpässen entgegenzuwirken.

Der Turm der Zhu‑Familie in Zhuyuan ist mehr als ein Gebäude; er ist ein Konzept, das angesichts der globalen Herausforderungen von Urbanisierung und Klimawandel Beachtung verdient. Er regt dazu an, darüber nachzudenken, wie gemeinschaftliches Wohnen in einer modernen Gesellschaft praktisch und nachhaltig gestaltet werden kann, indem traditionelle Bindungen bewahrt und gleichzeitig aktuelle Bedürfnisse erfüllt werden.