Forscher entdecken Sprachmerkmal, das auf beginnenden geistigen Abbau hinweist

Forscher entdecken Sprachmerkmale als frühen Hinweis auf kognitiven Abbau
Forscher entdecken Sprachmerkmale als frühen Hinweis auf kognitiven Abbau

Kognitive Beeinträchtigungen und der mögliche Übergang zur Alzheimer-Krankheit gehören zu den großen Herausforderungen des Älterwerdens. Eine in der Fachzeitschrift Aging, Neuropsychology, and Cognition veröffentlichte Studie aus 2023 hat einen vielversprechenden Ansatz gefunden, um frühe Zeichen kognitiven Abbaus zu erkennen: die Analyse von Sprachmustern. Forschende der University of Toronto, darunter der kognitive Neurowissenschaftler Jed Meltzer, schlagen vor, dass Sprechgeschwindigkeit und auftretende Sprachfluss‑Unstimmigkeiten Rückschlüsse auf Veränderungen im Gehirn zulassen können.

Das hat die Studie gezeigt

Die 2023 erschienene Untersuchung unter der Leitung des Psychologen Hsi T. Wei umfasste 125 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 90 Jahren. Eine zentrale Aufgabe war, dass Teilnehmende eine Szene möglichst detailliert beschreiben sollten. Zusätzlich testete eine Aufgabe, wie gut sie Bilder von Alltagsgegenständen verarbeiten, wenn gleichzeitig störende oder bestätigende Audiohinweise abgespielt wurden. So konnten die Forschenden die Verbindung zwischen natürlicher Sprechgeschwindigkeit und der Schnelligkeit kognitiver Reaktionen erfassen.

Parallel dazu werteten die Autorinnen und Autoren Neuroimaging‑Daten von 237 kognitiv unauffälligen Erwachsenen aus (ohne erkennbare kognitive Symptome). Dabei zeigten sich höhere Tau‑Werte, ein Hinweis auf Alzheimer‑Pathologie, zusammen mit langsamerer Sprechgeschwindigkeit und häufigeren Pausen.

Warum Sprachmuster bei der Beurteilung der Gehirngesundheit zählen

Die Studie macht deutlich: Ältere Menschen, insbesondere jene über 60, sind bei kognitiven Aufgaben deutlich langsamer. Sie produzieren außerdem mehr Dysfluencies, also gefüllte und ungefüllte Pausen, zum Beispiel „uh“ und „um“. Das Team um Hsi T. Wei betont, dass diese Veränderungen bei der Einschätzung der Gehirngesundheit älterer Erwachsener berücksichtigt werden sollten: „Es ist klar, dass ältere Erwachsene bei der Durchführung verschiedener kognitiver Aufgaben signifikant langsamer sind.“

Die Ergebnisse werden durch andere Beiträge unterstützt. Die Demenzforscherin Claire Lancaster schrieb 2024 in The Conversation: „Die Studie aus Toronto hat spannende Türen geöffnet … und zeigt, dass es nicht nur darauf ankommt, was wir sagen, sondern wie schnell wir es sagen, was kognitive Veränderungen offenlegen kann.“

Was das für die Zukunft bedeutet und welche Hürden es gibt

Die Studie legt nahe, dass Veränderungen der Sprache die Entwicklung von Alzheimer‑Pathologie widerspiegeln könnten, selbst wenn keine offensichtlichen kognitiven Defizite vorliegen. Jed Meltzer fasst das so zusammen: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Veränderungen in der allgemeinen Sprechgeschwindigkeit Veränderungen im Gehirn widerspiegeln können.“

Für die Zukunft empfehlen die Forschenden, die Sprechgeschwindigkeit in standardisierte kognitive Tests zu integrieren. Außerdem unterstreichen sie die Notwendigkeit longitudinaler Studien, um langfristige Folgen langsamerer kognitiver Reaktionen zu klären und zu prüfen, ob diese zu Demenz oder anderen kognitiven Problemen führen.

Gleichzeitig mahnen die Autorinnen und Autoren zur Vorsicht: Das Vorhandensein erhöhter Amyloid‑ oder Tau‑Werte bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Person unweigerlich Alzheimer entwickeln wird. Weitere Forschung ist nötig, um die komplexen Zusammenhänge vollständig zu verstehen und mögliche Interventionsstrategien zu entwickeln, die einem kognitiven Abbau entgegenwirken könnten.

Die Entdeckungen eröffnen neue Möglichkeiten für die Früherkennung kognitiver Probleme und liefern wertvolle Einsichten in die subtile, aber bedeutsame Rolle von Sprache und Kommunikation im Alter.