Chinesische Familie errichtet 15‑stöckiges Gebäude für ihre Angehörigen – ihr Traum waren eigene, unabhängige Wohnungen

Familie Zhu: ein Turm für künftige Generationen
Familie Zhu: ein Turm für künftige Generationen

Im kleinen Dorf Zhuyuan in China hat die Familie Zhu eine ungewöhnliche und bemerkenswerte Lösung für den wachsenden Wohnraumbedarf gefunden. Mit dem Bau eines 15-stöckigen Gebäudes bringen sie Angehörige aus vier Generationen unter ein Dach und geben dabei Privatsphäre und Eigenständigkeit Raum.

Wie das Bauprojekt Familien- und Sozialfragen löst

Die Zhu-Familie konnte über 20 verwandte Haushalte dazu bewegen, Ressourcen zu bündeln, um dieses Projekt umzusetzen. Insgesamt leben mehr als 100 Verwandte in dem Haus – ein echtes „vertikales Dorf“. Auf den Stockwerken zwei bis zwölf gibt es 22 voll ausgestattete Wohnungen.

Ursprünglich war im Erdgeschoss ein Laden geplant. Dieser Raum dient jetzt als Lebensmittelvorratsraum und als Spielbereich für Kinder. Das Gebäude ist nicht einfach nur Wohnraum, sondern eher wie ein kleines, autarkes Viertel (ein „vertikales Quartier“) gedacht. Mit Aufzügen, einer Tiefgarage und Gemeinschaftsflächen sollen die Bedürfnisse aller Generationen berücksichtigt werden, ohne die Privatsphäre zu opfern.

Nachhaltigkeit und Umweltaspekte

Das Projekt wirft Fragen zur Nachhaltigkeit und zur Belastung der Umwelt auf. Nach Angaben des UNEP (United Nations Environment Programme) sind Gebäude und Bauwesen für 34 % der globalen CO2‑Emissionen verantwortlich. Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) betont, dass kompakte, fußgängerfreundliche städtische Strukturen die Energieeffizienz künftig deutlich verbessern könnten.

Die Idee, ein solches Gebäude langfristig zu nutzen, könnte den Bedarf an vielen einzeln stehenden Häusern senken, die im Vergleich viel mehr Energie verbrauchen. 2020 verbrauchte ein freistehendes Einfamilienhaus fast dreimal so viel Energie wie eine Wohnung in einem Gebäude mit fünf oder mehr Einheiten. Gleichzeitig verursacht der Neubau großer Betontürme einen enormen anfänglichen CO2‑Preis, sodass die Klimabilanz solcher Projekte über einen langen Zeitraum betrachtet werden muss.

Soziale Vernetzung neu gedacht

Ein besonders bemerkenswerter Aspekt ist der soziale Zusammenhalt, den das Projekt fördert. Der Turm ermöglicht, dass ältere Menschen, Kinder und junge Berufstätige aus verschiedenen Städten verbunden bleiben, ohne dass alle in überfüllte Wohnhäuser gedrängt werden. So kann das Gebäude als Modell für moderne, generationenübergreifende Lebensformen dienen.

Eine durchdachte räumliche Planung und die Akzeptanz in der Öffentlichkeit sind wichtig für den Erfolg solcher dichten Wohnformen. Die IPCC empfiehlt, die Lebensqualität durch Integration von Grünflächen und Dienstleistungen in dichten städtischen Umgebungen zu verbessern.

Ein Modell für die Zukunft?

Der „Zhu‑Turm“ zeigt, wie Familien durch kluge Planung und gemeinsames Handeln moderne Herausforderungen meistern können. Das Projekt ist nicht nur ein architektonisches Beispiel, sondern liefert auch Erkenntnisse für Regionen mit Wohnraummangel und hohen Infrastrukturkosten. Solche Modelle lassen sich nicht überall eins‑zu‑eins umsetzen, bieten aber Anregungen, die je nach regionalen Bedürfnissen angepasst werden können.