Molekulare Analysen zeigen, dass in Ecuador Haifischfleisch als Corvina verkauft wird

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Frontiers in Marine Science, bringt beunruhigende Befunde zur Kennzeichnung von Haifischfleisch auf ecuadorianischen Märkten ans Licht. Auch die EL PAÍS USA Edition hat darüber berichtet. Die Untersuchung aus 2023 zeigt, dass fast die Hälfte der als „Corvina“ verkauften Filets tatsächlich Haifischfleisch sind – ein deutliches Zeichen dafür, dass strengere Regeln und bessere Informationsflüsse im Lebensmittelhandel nötig sind.
Wie Technik hier hilft
In der Studie spielte die PCR-Technologie (Polymerase-Kettenreaktion) eine zentrale Rolle. Obwohl molekulare Methoden vielen kompliziert erscheinen, sind sie überraschend einfach anwendbar, zugänglich und kostengünstig. Mit PCR lässt sich DNA vervielfältigen, sodass sich Krankheitserreger oder genetische Merkmale nachweisen lassen. Vor allem dann, wenn eine optische Bestimmung der Art nicht möglich ist, ist die Methode sehr nützlich.
Schon ein kleines Gewebestück reicht, um die zugrundeliegende Tier- oder Pflanzenart zu identifizieren. Für die Analyse der Proben wurde die Universidad San Francisco de Quito (USFQ) eingesetzt.
Was die Studie 2023 gezeigt hat
Die Untersuchung von 2023 wurde in den Städten Quito, Cuenca, Ibarra, Ambato, Manta und Guayaquil durchgeführt. Die Forschenden fanden heraus, dass 47,42 % der gesammelten Proben, die als „Corvina“ verkauft wurden, tatsächlich Haifischfleisch waren. Die Verstöße gegen Kennzeichnungsvorschriften traten überwiegend in den ersten vier genannten Andenstädten auf. In Manta und Guayaquil wurden zwar Proben genommen, dort gab es aber keine positiven Befunde.
Interessant ist: Fisch wird in den Andenstädten seltener konsumiert, sodass die Bevölkerung Fischarten oft nicht eindeutig auseinanderhält. Das scheint unbemerkte Fälle von Fehlkennzeichnung zu begünstigen.
Gefährdete Haiarten und die rechtliche Lage
Die Studie identifizierte mehrere Haiarten mit problematischem Schutzstatus. Der Seidenhai (Carcharhinus falciformis) und der glatte Hammerhai (Sphyrna zygaena) sind auf der Roten Liste der IUCN als „gefährdet“ gelistet. Besonders der glatte Hammerhai steht in Ecuador unter vollständigem Schutz; Fang und Verkauf sind verboten. Trotzdem wurde diese Art in Proben aus zwei verschiedenen Städten nachgewiesen.
Nach ecuadorianischem Recht ist der Verkauf von „zufällig“ gefangenen Haien erlaubt, was jedoch offenlässt, dass mehr als zwei Millionen Haie pro Jahr unbeabsichtigt gefangen und verkauft werden könnten. Das stellt eine erhebliche Bedrohung für geschützte Arten dar.
Was die Forschenden sagen
Die Forscherin Gabriela Pozo betonte die Dringlichkeit einer Debatte über strengere Regeln im Umgang mit zufällig gefangenen Haien: „Obwohl Vorschriften existieren, ist die Gefangennahme vollständig geschützter Arten offensichtlich.“
Juan José Guadalupe hob die wichtige Rolle der Rückverfolgbarkeit im Globalen Süden hervor und wies auf die Bedeutung einfacher Werkzeuge wie der PCR hin, um den Markt zu kontrollieren und den Schutz gefährdeter Arten zu verbessern.
María de Lourdes Torres betonte die Verantwortung des öffentlichen Sektors und forderte die Umsetzung zugänglicher und reproduzierbarer Methoden, damit Konsumentinnen und Konsumenten transparent informiert werden und der Schutz der Meeresarten gestärkt wird.
Blick nach vorn
Die Studie aus 2023 ist nur ein „Schnappschuss“ der aktuellen Lage. Die Forschenden empfehlen, die Analyse auf weitere Städte mit hoher Fehlkennzeichnungsrate auszuweiten und die Untersuchungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu wiederholen, um Entwicklungen besser beurteilen zu können. Mit mindestens 40 Haiarten auf der IUCN-Liste in Ecuador bleibt die Aufgabe, Kontrolle, Rückverfolgbarkeit und Schutzmaßnahmen zu verbessern, anspruchsvoll.
Das Projekt macht nicht nur die problematische Praxis der Fehlkennzeichnung deutlich, sondern zeigt auch, dass aktiv an Lösungen gearbeitet werden muss. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten wissen, was sie kaufen und essen, und auf politischer Ebene müssen stärkere Regelungen diskutiert und umgesetzt werden.