Archäologen entdecken 400 Jahre alten Brief – er belegt die Existenz eines sagenumwobenen Königs

König Qashqash bestätigt: Einzigartige Funde in Old Dongola
König Qashqash bestätigt: Einzigartige Funde in Old Dongola

Der Fund eines Papierschnipsels in den antiken Ruinen von Old Dongola hat überraschend klare Hinweise geliefert, dass König Qashqash wirklich existiert hat. Entdeckt wurde das Fragment im Rahmen eines gemeinschaftlichen Projekts mit Biography.com und die Ergebnisse wurden in Azania: Archaeological Research in Africa veröffentlicht. Das Ganze könnte unser Bild der nubischen Geschichte deutlich erweitern.

Fund und Analyse: wie das Stück datiert wurde

Der entscheidende Papierschnipsel stammte aus einer Müllschicht im Gebäude A.1, dem sogenannten „Haus der Mekk“, in der Zitadelle von Old Dongola. In dieser Schicht fanden sich über 20 Papierschnipsel, darunter ein Fragment von 10,16 cm × 8,89 cm, das auf rund 500 Jahre geschätzt wird und in das späte 16. oder frühe 17. Jahrhundert datiert wird. Für diese Datierung nutzten die Forschenden numismatische Belege, Radiokohlenstoffdatierung und die Analyse schriftlicher Quellen (wobei einige Dokumente offenbar länger aufgehoben wurden, bevor sie weggeworfen wurden).

Der Befehl des Königs

Auf dem Schlüsselstück steht ein Verwaltungsbefehl im Namen von König Qashqash, ausgestellt von einem Schreiber namens Hamad. Der Befehl war an Khidr gerichtet (vermutlich ein Mitglied des königlichen Stabs) und forderte ihn auf, die Entgegennahme von drei Textileinheiten von Muhammad al-Arab zu beaufsichtigen. Als Gegenleistung sollte Khidr eine Aue und deren Nachwuchs von Abd al-Jabir erhalten. Solche Tauschgeschäfte zeigen, wie königliche Autorität praktisch ausgeübt wurde und geben Einblick in Verwaltungsabläufe jener Zeit.

Materielle Kultur: Textilien, Schmuck und mehr

Neben schriftlichen Dokumenten kamen in der Fundstelle luxuriöse Textilien, Schmuckstücke, Lederschuhe und ein Dolchgriff aus Elfenbein oder Nashornhorn zutage. Außerdem fanden sich Musketenkugeln, was auf militärische Nutzung hinweist. Diese Objekte liefern Hinweise auf sozialen und ökonomischen Austausch sowie auf Status und Wohlstand.

Was das für die Geschichte heißt

Die Funde in Old Dongola liefern handfeste archäologische Belege für König Qashqash, dessen Existenz bisher eher als legendär galt (basiert auf verstreuten Erwähnungen und mündlichen Überlieferungen). Die Dokumente eröffnen wertvolle Einblicke in das Königreich Makuria, das einst in Nubien blühte. Die Forschenden untersuchten dabei Herrschaftsstrukturen, soziale Interaktionen und die Arabisierung während der Funj-Periode. Wie die Autorinnen und Autoren der Studie festhielten: “bieten diese Belege eine einzigartige Gelegenheit, die sprachlichen Transformationen und kulturellen Interaktionen, die Nubien im Laufe der Zeit geformt haben, zu erforschen.”

Insgesamt bereichert der Fund der Papierschnipsel nicht nur unsere Geschichtsbücher, sondern vertieft auch das Verständnis von Verwaltung und Alltagsleben im 16. und 17. Jahrhundert. Für Historiker und Archäologen eröffnen sich damit neue Forschungsfelder und Theorien zur kulturellen und politischen Lage Nubiens vor der Kolonialzeit. Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, wie kleine Artefakte große Geschichten unserer Vorfahren ans Licht bringen können.